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Quelle:  Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der St. Hubertus Schützenbruderschaft Unterbach 1870 e.V
              Text: Udo Deuerlein und Herbert Bruckmann
 
Das rheinische Schützenwesen kann auf eine über 500-jährige Geschichte mit Höhen und Tiefen zurückblicken. So ist es eigentlich verwunderlich, daß es in unserem Heimatort Unterbach erst seit dem Jahre 1870 Schützenbrüder gab. Daß dieses nicht so ist, beweißt das mit über 180 erhaltenen Plaketten vorhandene Königssilber der St. Sebastianus Bruderschaft Erkrath 1484. So ist eine Plakette aus dem Jahre 1666 vorhanden, die Johann Gerhard von Waldenburg zu Haus Unterbach stiftete. Die kirchlichen Bruderschaften waren immer mit einer Pfarrkirche verbunden, da die Unterbacher aber bis zum Jahre 1897 keine eigenständige Pfarrgemeinde hatten und kirchlich zu Erkrath gehörten, hatte Unterbach auch keine eigene Bruderschaft.

 


Quelle: Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der St. Hubertus Schützenbruderschaft Unterbach 1870 e.V 

Das Abhängigkeitsverhältnis der Unterbacher zur Erkrather Pfarrkirche sollte sich erst mit der Gründung eines Kirchbauvereins für den Ort Unterbach ändern. Hauptinitiatoren dieses Vereins waren der Rektor und Kaplan Conrad Esser und der Hauptlehrer Theodor Brors. Nachdem im Jahre 1809 die vorhandene Kapelle, in der wenigstens ab und zu Gottesdienst abgehalten werden konnte, wegen Baufälligkeit abgerissen wurde, fand in Unterbach jahrelang kein Gottesdienst mehr statt, wodurch sich die religiösen und sittlichen Zustände, bedingt durch den weiten Kirchgang nach Erkrath, immer mehr verschlechterten. Der Initiative von Brors und Esser verdankt auch unsere Bruderschaft ihr Entstehen. Die ersten Überlieferungen über unsere Bruderschaft finden sich somit im Protokollbuch des Kirchbauvereins. So lesen wir im Protokoll der Generalversammlung vom Januar 1871:

"Das im Laufe des Sommers projectierte Schützenfest wird hoffentlich auch noch einen bedeutenden Beitrag zum Besten unseres zu begründenden Kirchensystems liefern. Für das abzuhaltende Fest wurde ein engeres Comite gebildet und wurden in dasselbe Gottfried Poßberg, Anton Weber, Paulus Gütenmüller und Lehrer Theodor Brors gewählt. Dieses Comite sollte die nöthigen Einleitungen treffen und das Resultat ihrer Bemühungen bei der am Schluße des Monats Mai abzuhaltenden General-Versammlung vorlegen."

Protokoll der Mai-Versammlung:

"Das Comite für das Schützenfest erstattete Bericht und theilte mit, daß dem Wirthe Wilhelm Blind am Tönnesberg als dem Meistbietenden nämlich 17 Thlr, die Restauration übergeben worden sei. Über den Zeitpunkt, wann das Fest abgehalten werden sollte, konnte wegen der hier herrschenden Pockenepidemie, kein Beschluß gefaßt werden. Der in der Gmeinde Erkrath-Unterbach bestehende Musikverein, wird bei dem Feste den musikalischen Theil übernehmen."."

Die im Protokoll erwähnte Pockenepidemie forderte allein in Düsseldorf 524 Tote. Ob und wieviele Opfer in Unterbach zu beklagen waren, wissen wir nicht. Nicht alle Vorstandsmitglieder des Kirchbauvereins waren mit dem bevorstehenden Schützenfest einverstanden. So gibt es eine Randnotiz, die wie folgt lautet:

"Ein trauriges Mittel zu einem guten Zwecke, welches ich niemals ergriffen hätte. Man hat damit nur die Genußsucht großgezogen ohne der guten Sache zu nützen."

Wolfgang von der Heydt, der diese Protokolle des Kirchbauvereins in unsere heutige lateinische Ausgangsschrift übertragen hat, vermutete, daß Lehrer Brors diese Randbemerkung ins Protokollbuch geschrieben hat. Trotz einiger kritischer Stimmen wurde das Schützenfest ausgerichtet. So ist im Protokollbuch des Kirchbauvereins vermerkt.

Protokoll der Juli-Versammlung:

"Nachdem das vorstehende Protokoll verlesen und genehmigt wurde, schritt man zur Berathung über das im Interesse der zu erbauenden Kirche abzuhaltende Schützenfest.. Dasselbe sollte am 20ten August am Feste Maria Himmelfahrt, welches Fest auch höchst wahrscheinlich in der Folge das Fest unserer Schutzpatronin sein wird, abgehalten werden!
Das festgesetzte Programm lautet also:
Schützenfest zu Unterbach. Sonntag den 20ten August findet zu Unterbach das erste Schützenfest zum Besten der Kirche statt.
Programm: Nachmittags halb Zwei Uhr Versammlung der Schützen bei Nothen in Vennhausen, von wo der Zug durch Unterbach bis zur Hildener Brücke und wieder zurück zum Schützenplatz bei Gastwirt Blind am Tönnesberg.. Gegen drei Uhr beginn des Vogel- und Preisschießens während desselben Conzert..
Nach dem Königsschuß Zug der Schützen durch Unterbach und zurück zum Festlokal, wo selbst dann Ball statt findet. Zu diesem ersten Schützenfeste ladet die auswärtigen Schützenvereine und Freunde ein mit der Bitte um zahlreiche Beteiligung..

Unterbach, den 14. August 1871
Das Comite"

Protokoll der September-Versammlung:

"Am 20. August fand das projectierte Schützenfest dem Programm gemäß statt.
Des Freitags vorher war sehr regnerisches Wetter, allein des Samstags Morgens klärte sich das Wetter auf und Gott gab uns wie noch an allen Festen geschehen ein ausgezeichnetes Wetter, sodaß aus Nah und Fern eine große Menge herbei kam. Von den auswärtigen Schützenvereinen waren die Vereine von Gerresheim, Hilden und Erkrath vertreten, nur der von der Meide nicht, denn der ganze Verein war erschienen an 70 Mann stark
Das Fest nahm einen so glücklichen und glänzenden Verlauf, daß es allen nachfolgenden zum Vorbilde dienen kann.
Die ganze Einnahme betrug an 100 Thlr, die bedeutenden Ausgaben, darunter 33 Thlr für die Musik abgerechnet blieben etwas über 43 Thlr., welche der Kirchenbaukasse zugeführt wurden."

Nach diesem ersten Schützenfest, das allgemein als gelungen angesehen wurde, entschloß man sich zur Gründung eines St. Hubertus Schützenvereins, dessen Statuten in einer Versammlung im Oktober angenommen wurden. Weshalb wir heute von einer Gründung unseres Vereins im Jahre 1870 ausgehen, läßt sich aus den Unterlagen, die uns zur Verfügung standen, allerdings nicht ersehen. Es ist möglich, daß innerhalb des Kirchbauvereins schon früher Überlegungen zur Ausrichtung eines Schützenfestes angestellt wurden, die aber durch den Deutsch - Französischen Krieg im Jahre 1870 zunichte gemacht wurden. Viele werden sich schon gefragt haben warum wir nicht von Anfang an eine Bruderschaft, sondern ein Verein waren? Nach Ende des Krieges herrschte der sogenannte Kulturkampf zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche. Man versuchte von Seiten des Staates kirchliche Aktivitäten zu behindern und einzuschränken. Mit der Wahl des Schutzpatrones St. Hubertus entschloß man sich, der katholischen Kirche zwar nahe zu stehen, aber man war auch von Anfang an offen für andere Konfessionen. So stand auch in den ersten Jahren, bis zum Jahre 1908, nicht der katholische Pfarrer als Präses dem Verein vor, sondern der 1. Vorsitzende wurde als Präses bezeichnet. Es sollte noch bis 1946 dauern bis der Verein in eine Bruderschaft umgewandelt wurde.

 


Quelle:  Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der St. Hubertus Schützenbruderschaft Unterbach 1870 e.V
 
Ab 1873 werden die Überlieferungen unseres Vereins umfangreicher, denn wir sind noch heute im Besitz eines Protokollbuches, das mit diesem Jahr beginnt. So ist uns auch der Vorstand dieses Jahres bekannt: - Präses Lehrer Theodor Brors (1. Vorsitzender);
- Stellvertreter Johann Dörner;
- Zugführer Heinrich Lodenheid;
- Adjutant Heinrich Hönemann;
- Offiziere Salomon Feldheim, Hugo Steiner, Josef Schäfer, Peter Kexel und Edmund Fett;
- Rendant Franz Baur (1. Kassierer)
- Schriftführer Lehrer Helpenstein und Beisitzer Heinrich Steiner.

1873 wurde auch die erste Fahne angeschafft, die leider nicht mehr vorhanden ist, da sie bei dem Brand der Vereinslokales "Am Zault" im Jahre 1890 vernichtet wurde. Die Restauration für das Schützenfest wurde an den meistbietenden Wirt Johann Schlebusch vergeben. Am 17. August, am Fest Mariä Himmelfahrt, fand das Schützenfest bei schöner Witterung statt. Morgens nach der Messe wurden die Schießnummern unter den sich am Feste beteiligenden circa 140 Mann ausgelost. (wenn man bedenkt, daß unsere Bruderschaft heute nur 67 aktive Schützen zählt, waren 140 Mann für das Dorf Unterbach zur damaligen Zeit eine stolze Zahl) Nach dem Umzug fand ein Preisschießen für auswärtige Gäste statt. Um 17.30 Uhr erfolgte der Königsschuß durch Heinrich Steiner. Anschließend setzte sich ein Festzug Richtung Butterhöfgen in Gang mit anschließendem Zug zum Festlokale. Der neue König eröffnete mit seiner Königin den Ball, der bis gegen Mitternacht dauerte. Auch damals war man um eine korrekte Kassenführung bemüht. So ist vermerkt, daß die Einnahme 59 Thlr., 14 Sgr. und 6 Pf betrug. Die Ausgaben beliefen sich incl. neuer Schützenfahne auf 57 Thlr. 5 Sgr. und 8 Pf. Die Kirchenbaukasse wurde der Gewinn von 8 Thlr gestiftet, so daß nicht nur ein schönes Fest gefeiert wurde, sondern auch etwas nützliches zum Besten der Kirchbausache geleistet wurde.

Im Jahre 1874 wird vermerkt, daß das Schützenfest "trotz der jetzigen Lage der Zeit" gefeiert werden soll. Außerdem wird zum ersten Male ein sogenanntes Festessen zum 1. Februar erwähnt. Dieses Festessen, auch Winterfest genannt, bestehend aus einem Essen mit anschließendem Ball und Verlosung, wird auch in den folgenden Jahren gehalten und zwar anläßlich des Geburtstages des Deutschen Kaisers. Am 18. Januar wurde ein neuer Vorstand gewählt:

- Präsident Lehrer Hermann Helpenstein (1. Vorsitzender)
- Vizepräsident Johann Dörner;
- Rendant Franz Baur (1. Kassierer)
- Schriftführer Josef Heups und Heinrich Steiner als Beisitzer.

Die Restauration für das Schützenfest wurde diesmal zwischen Johann Schlebusch und Wilhelm Blind ausgelost, wobei das Los auf Wilhelm Blind fiel. Das Schützenfest fand am 16. u. 17. August statt. Am Abend vorher wurde der große Zapfenstreich gespielt. Am frühen Morgen des Schützenfestsonntags fand die Reveille statt (das uns noch heute bekannte Wecken). Nach dem Wecken wurde die Fahne feierlich in die Kirche gebracht, wo anschließend das Hochamt stattfand. (Bei der Kirche handelte es sich um eine Notkirche, die als Provisorium an die alte katholische Schule angebaut war) Nach dem Hochamt wurden die Schießnummern ausgelost. Nachmittags um 14 Uhr zog man zum Festlokal von Wilhelm Blind am Tönnesberg, von wo aus man zur Meidener Brücke marschierte, um den dortigen Schützenverein abzuholen. Dann ging es zum Schützenplatz, wo der König ausgeschossen wurde. Das Schießen wurde an 2 Tagen durchgeführt. Abends fand im Festlokal ein Ball statt, zu dem der Chronist vermerkt, daß der Festsaal die Besucher kaum fassen konnte. Am Montag beschloß der Königsball das gelungene Fest. Vom Überschuß wurden 10 Thlr. 27 Sgr. und 10 Pf zur Anschaffung einer Monstranz gegeben. 1874 schaffte der Verein auch die erste Königskette an. Die älteste Königsplakette die sich noch in unserem Besitz befindet ist die von Franz Baur aus dem Jahre 1871. Schon am 20. Dezember 1874 mußte ein neuer Vorstand gewählt werden, da der Präsident Hermann Helpenstein ins Lehrerseminar Elten eintrat. Neuer Präsident wurde Johann Dörner, Schriftführer Lehrer Hansen und Vizepräsident wurde Wilhelm Niepenberg. Der restliche Vorstand blieb im Amt.

Am 17. April 1875 verstarb der im Vorjahre ausgeschossene König Johann Weber in seinem Königsjahr, so daß sein Sohn Peter Weber das Amt des Schützenkönigs bis zum Ende des Jahres übernahm. Dieses Jahr wird vermerkt, daß in einem Schützenzelt gefeiert wurde. Auch im Jahre 1875 fand eine Vorstandswahl statt. In den ersten Jahren wurde jedes Jahr neu gewählt. Die Vorstände werden wir ab diesem Jahre allerdings nicht mehr gesondert erwähnen, da im Anhang dieser Festschrift eine tabellarische Aufstellung aller Vorstände erfolgt. Die nächsten Jahre brachten eine ständige Steigerung der Besucherzahlen des Schützenfestes mit sich.

1877 unternahm unser Verein zum erstenmal einen Ausmarsch zum Schützenfest nach Ohligs (Solingen). Es muß dazu gesagt werden, daß es sich damals noch wirklich um "Ausmärsche" handelte, denn zu den in nächster Nachbarschaft liegenden Orten wurde zu Fuß gegangen, nur zu den etwas weiter wegliegenden fuhr man mit Pferd und Wagen.

Im Jahre 1879 wurden die traditionelle Unterbacher Kirmes und das Schützenfest zusammen gelegt. (21. September) Vorher waren Kirmes und Schützenfest voneinander unabhängige Feste. Erst seit dem vorigen Jahrhundert wurden forciert durch die Obrigkeit, denen daran gelegen war, daß die Festivitäten in den Ortschaften nicht überhand nahmen, diese beiden Feste zusammen gelegt. Allerdings sollte es in Unterbach noch bis 1903 dauern, bis Schützenfest und Kirmes endgültig zu einem Fest vereint wurden. Der Ursprung der rheinischen "Kirmes", in anderen Teilen Deutschlands "Kirchweih" genannt, ist in den jeweiligen Pfarrpatrozinien zu sehen. So kommt es auch nicht von ungefähr, daß unsere St. Hubertus Schützenbruderschaft auf oder um Mariä Himmelfahrt feiert. Im Laufe der Jahre vermischten sich alte Kirmesbräuche und militärische Traditionen zu den heutigen Feierlichkeiten des Schützenfestes. So ist das "Maien" setzen ein alter Kirmesbrauch. Parade und Zapfenstreich, die militärischen Ursprungs sind, wurden erst seit dem vorigen Jahrhundert Bestandteil eines Schützenfestes. Heute wird noch beim Wecken, das einer militärischen Tradition entstammt, die alte Kirmesmelodie "Freut Euch des Lebens" (von 1793) gespielt. Die Unterbacher Kirmes ist somit auch schon länger nachweisbar als unser Schützenfest. Nach dieser kleinen Exkursion in das Brauchtum, nun zurück zu unserer Chronik.

Bereits 1880 wurde das Schützenfest wieder auf Mariä Himmelfahrt gelegt. Außerdem ist in diesem Jahr erwähnenswert, daß 6 Vereine zum Schützenfest eingeladen wurden. (Ohligs, Trotzhilden, St. Seb. Schützen Meide, St. Seb. Schützen Richrath, St. Seb. Schützen Erkrath und die St. Seb. Schützen aus Hilden)

1881 wurde eine Sterbekasse eingerichtet, in die jedes Mitglied 25 Pf. im Monat zu entrichten hatte. Aus dieser Kasse wurden die Schützenwitwen mit 15 Mark unterstützt. Nach einem Beschluß wurde ein provisorischer Schießplatz auf dem Feld von Herrn Päschges am sogenannten Herrenbusch angelegt.

Im Jahre 1882 gab man sich neue Statuten, und ein neues Stammlokal wurde festgelegt und zwar bei Peter Johann Wittenbruch am Venn. Immer war der Verein um eine finanzielle Unterstützung für die im Bau befindliche Kirche bemüht. So wurden in den Versammlungen Geldbeträge gesammelt, und am 2. Weihnachtsfeiertag wurde beim Wirt Joseph Spinnrock ein Konzert mit dem Gesangverein Liederkranz zum Besten der Kirche veranstaltet. Der Erfolg war so groß, daß nicht alle Gäste im Saal Platz fanden. Es wurden 559 Eintrittskarten verkauft.

Auch 1883, im Jahr der Fertigstellung der St. Mariä Himmelfahrtskirche, war unser Verein sehr aktiv für den Neubau tätig. Für die Beleuchtung, die 80 M kosten sollte, wurden wieder Geldbeträge gesammelt und Konzerte beim Wirt Joseph Spinnrock veranstaltet. Das Schützenfest in diesem Jahr, sowie auch im folgenden Jahr, wurde wieder zusammen mit der Kirmes im September gefeiert. Das Königsschießen fand nicht mehr sonntags, sondern montags statt. Wegen der frühen Dunkelheit wurde bereits am Vormittag begonnen, was man auch für die nächsten Jahre beibehielt.

Im Juni 1885 stiftete der Verein zu Ehren unseres Schutzpatrones St. Hubertus einen Altar.
Beim Schützenfest, das wieder im August gefeiert wurde, passierte etwas, worüber wir heute noch schmunzeln können. Für den betreffenden Schützen August Katt war dieser Vorfall wahrscheinlich weniger lustig. Und zwar hatte man anscheinend die Vogelstange nicht richtig befestigt, so daß diese beim Königsschießen umfiel und den oben erwähnten Schützen traf und auch verletzte. Allerdings dürfen wir uns auch heute noch ohne Gewissensbisse an dieser Geschichte erfreuen, da die Verletzungen nicht allzu schwer gewesen sein konnten, denn bereits 3 Jahre später wurde August Katt Schützenkönig. Auf Grund dieses Vorfalls beschloß man eigene Vogelstangen auf einem gemieteten Grundstück aufzustellen. Man muß davon ausgehen, daß es vorher keinen festen Schießplatz gegeben hat. Die Vogelstangen wurden wahrscheinlich bei dem jeweiligen Festlokal aufgestellt.

1886 hatte man zum ersten Mal in der Geschichte unseres Vereins einen festen Schützenplatz und zwar "Am Zault", den man vom Baron von Hymmen auf 5 Jahre gepachtet hatte. Zum Schützenfest wurde ein Zelt aufgestellt. Die Restauration sollte reihum an die Unterbacher Wirte vergeben werden. Das Schützenfest wurde im August gefeiert. Der Überschuß des Festes von 31 M wurde für die neue Orgel der St. Mariä Himmelfahrtskirche gegeben.

Im Jahre 1887 kam es zwischen dem Verein und den ortsansässigen Wirten zu Streitigkeiten, da diese zu Schützenfest eigene Bälle abhielten, wodurch anscheinend die Einnahmen des Schützenvereins geschmälert wurden. Daraufhin beschloß man, diese Wirte von der Vergabe des Schützenfestes auszuschließen. Im Dezember wurde beschlossen, das restliche Geld, das für die Anschaffung des Hubertusaltares im Jahre 1885 übrig geblieben war, für den neuen und ersten Kirchhof (Friedhof) für Unterbach zu verwenden. Es ist dies der noch heute in Benutzung befindliche kath. Friedhof am Pfaffenbusch.

1888 wurde beschlossen beim Königsvogelschießen keine Platte mehr zu verwenden, sondern derjenige sollte König sein, der das letzte Stück vom Vogel abschießt. Diese Regel wird bis heute noch in unserer Bruderschaft angewandt.

Am 14. Dezember 1890 brannte das Vereinslokal Moritz Werner "Am Zault", wie schon erwähnt, mit dem Besitz unserer Bruderschaft ab. Auch die Vereinsfahne verbrannte. Aber schon Ende des Jahres konnte eine neue Fahne in Auftrag gegeben werden. Die neue Fahne nebst Schärpe zum Preis von 260 M war schon am 11. Januar 1891 fertig. Am 25. Januar wurde die neue Fahne in der Kirche geweiht und anschließend zogen die Schützen zum Tönnesberg, um das alljährliche Festessen zu Kaisers Geburtstag abzuhalten.

1893 trat der Verein auf einer Delegiertenversammlung in Haan dem Bergischen Verband bei.
Das Schützenfest wurde auf den 30. und 31. Juli gelegt, aus welchen Gründen läßt sich allerdings heute nicht mehr sagen. Zum erstenmal wurde das Königsschießen am Montagnachmittag abgehalten. Der Einmarsch ins Festzelt zur Krönung erfolgte in diesem Jahr erst um 21.30 Uhr.

Im Jahre 1895 konnte der St. Hubertus Schützenverein sein 25 jähriges Jubiläum feiern. Das Schützenfest wurde in besonders großem Rahmen abgehalten. Die Gründungsmitglieder wurden am Schützenfestsonntag mit einem besonderen Orden während der heiligen Messe ausgezeichnet. Am Nachmittag im Festzug wirkten Reiter mit, am Montagmorgen wurde zum erstenmal ein sogenanntes "Gänseschießen" abgehalten, nachmittags wurde der Jubiläumskönig ausgeschossen. Um 20 Uhr holte der Hauptmann August Wipperfürth das letzte Stück des Vogels von der Stange.

1898 verlegte man das Schützenfest auf das erste Wochenende im Juni (Gründe nicht bekannt). Es wird erwähnt, daß 13 Fahnen im Schützenzug mitgeführt wurden. Auf der Generalversammlung im Oktober beschloß man, sich mit 120 M an den Kosten für einen Traghimmel für die Fronleichnamsprozession zu beteiligen. Zur Aufbesserung der Vereinskasse wurde am 2. Weihnachtsfeiertag ein Theaterstück aufgeführt. Die Jahrhundertwende brachte wieder die Diskussion um den Kugelfang, da die Pachtzeit abgelaufen war. Alle Unterbacher Wirte wurden aufgerufen, ihr Angebot zum Bau eines Kugelfangs in einem geschlossenen Umschlag beim Vorstand zu hinterlegen. Den Zuschlag bekam Peter Weber. Es wurde ein Komitee innerhalb des Vereins gebildet, das für den Bau des Kugelfangs verantwortlich war.

1901 konnte zum ersten Mal der König am neuen Kugelfang bei Peter Weber an der Delle ausgeschossen werden. Die Kosten für den Kugelfang beliefen sich auf 1400 M. Wurde bis zu diesem Jahr jährlich das Stammlokal neu gewählt und die Bewirtung für das Schützenfest und das Festessen jeweils "vergandert" (der Meistbietende erhielt den Zuschlag), so hatte der Verein ab jetzt durch einen Kontrakt, der über 10 Jahre lief, mit dem Wirt Peter Weber ein festes Stammlokal und einen festen Schießplatz.

1902 mußte auf Anordnung des Bürgermeisters das Schützenfest und die Unterbacher Kirmes (21. und 22. September) zusammen gefeiert werden, vorher wurde keine Schießerlaubnis erteilt. Festball und Krönungsball konnten erstmals in dem neu erbauten Saal "Zur Delle" abgehalten werden. Ein Zelt zum Schützenfest war nun nicht mehr erforderlich.

Auf Grund der Anordnung des Bürgermeisters beschloß man 1903, aber erst nach Befragung der Unterbacher Bevölkerung, das Schützenfest und die Kirmes endgültig zusammenzulegen. Als fester Termin wurde der 2. Sonntag im August gewählt. Zu diesem Termin findet auch heute noch das Schützenfest statt.

1904 gab es Schwierigkeiten bei der Abnahme des Kugelfangs, es mußte eine zweite Mauer errichtet werden. (Heute müssen noch strengere Vorschriften beachtet werden.) Beim Ehrenpreisschießen zu Schützenfest sollte stehend geschossen werden, aber die Schützen weigerten sich, so zu schießen. Daraufhin sagte man kurzerhand das Schießen für diesen Tag ab. In der Oktober-Versammlung wurde über das Ausscheiden des Vereins aus dem bergischen Verband entschieden.

Im Jahre 1905 beschloß man möglichst viele auswärtige Schützenvereine zu besuchen, um durch den Gegenbesuch dieser Vereine den eigenen Schützenzug zu verschönern.

1906 beteiligte man sich mit 15 RM am 25 jährigen Priesterjubiläum von Pfarrer Unterkeller.
Beim Königsvogelschießen gab es in diesem Jahre Schwierigkeiten. Herr Schulte zur Hausen vom Tönnesberg hatte den Vogel abgeschossen, weigerte sich aber, die Königswürde anzunehmen, so daß ein neuer Vogel aufgesetzt werden mußte - König wurde Philipp Holzschneider. In der November-Versammlung gedachte man des zuvor verstorbenen Präsidenten (1. Vorsitzender) Albert Hutmacher. Weiterhin wurde beschlossen, daß ein Schütze die Königswürde nur bei Krankheit ablehnen könne, dafür aber einen Ersatzmann zu stellen habe, sonst ist er aus dem Verein auszuschließen. Dieser Beschluß ging wahrscheinlich auf das zuvor erwähnte "mißlungene" Königsschießen zurück.

1907 wurde das Schützenfest besonders prächtig gefeiert. Es wird vermerkt, daß 21 Vereine mit 16 Fahnen am Schützenzug teilnahmen. Der Bürgermeister von Erkrath und der Unterbacher Pfarrer Beyhoff nahmen die stattliche Parade ab. In diesem Jahr wurde außerdem beschlossen, einen weiteren Kugelfang für 6 und 9 mm Büchsen zu bauen.

In der April-Versammlung im Jahre 1908 wurde Pfarrer Beyhoff offiziell in die Bruderschaft aufgenommen. Es wurde angeregt, alle Mitglieder sollten sich Uniformen anschaffen und zwar einheitlich in Jägergrün. In diesem Jahr wurde eine neue 9 mm Vorderladerbüchse angeschafft. Im Juli besuchte der Weihbischof Müller die Unterbacher Pfarre, wobei er in einem feierlichen Zug von der Ortsgrenze "Am Maiblümchen" von der Bevölkerung abgeholt wurde. Auch unsere Bruderschaft beteiligte sich an diesem Festzug. Der Anlaß für diese Visite war die Konsekration der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. Am 2. Tag des Schützenfestes wurde nach dem Königsschießen ein Feuerwerk mit Kanonendonner gezündet.

Zum Schützenfest 1909 wurde Heinrich Ungermann für 25 jährige Mitgliedschaft geehrt. Sein Jubiläum sollte er in diesem Jahr mit dem Königsschuß krönen.

1911 wurde der Kontrakt über Stammlokal und Schießstand mit Peter Weber um 10 Jahre verlängert. In diesem Jahr wurden 90 aktive Schützen in unserem Verein gezählt. Beim Königsschießen gab es wieder Probleme. Da sich der aufgesetzte Vogel als zu stabil erwies, mußte ein neuer aufgesetzt werden. Nachdem auch dieser Vogel nicht fallen wollte, wurde der König ausgelost - das Losglück fiel auf Wilhelm Bläser.

Im Jahre 1912 lehnte man mit 12 zu 18 Stimmen eine Stiftung für das geplante Kaiserdenkmal ab.

Auch im Jahre 1913 lehnte man es ab, sich am Denkmalkomitee ideell und materiell zu beteiligen. Welche Streitigkeiten es mit dem Komitee gab, wissen wir nicht. Oder ob die Schützen vielleicht nicht mehr uneingeschränkt hinter dem Deutschen Kaiser standen? Am 5. Oktober wurde unter Beteiligung anderer Unterbacher Vereine und von Gastvereinen eine neue Fahne geweiht. Diese Fahne befindet sich noch heute im Besitz unserer Bruderschaft und kann im Vereinshaus bewundert werden.

1914 mußte das schon geplante Schützenfest wegen des Ausbruchs des 1. Weltkrieges am 2. August abgesagt werden. In Unterbach war wie überall im Deutschen Reich anfängliche Kriegsbegeisterung zu spüren, so wurden zu Beginn Siegesfeiern im Vereinshaus abgehalten. Von Anfang an sorgte sich der Verein um die eingezogenen Kameraden, so beteiligte er sich an einem Hilfskomitee, das in Erkrath gegründet wurde. Weiterhin zahlte der Verein 300 RM an die Frauen oder Eltern eingezogener Kameraden.

1915 wurde eine Lebensversicherung eingeführt. Bis zu diesem Jahr traf man sich noch regelmäßig zu Versammlungen. Das Vereinsleben kam aber allmählich zum Erliegen. Erste Kriegstote waren zu beklagen. Die anfängliche Euphorie legte sich langsam. So gedachte man in der letzten Versammlung, die im Krieg stattfand, des gefallenen Ritterkreuzträgers Bernhard Daniels. Der Krieg wurde immer heftiger, so daß bis Kriegsende 71 Gefallene in Unterbach zu beklagen waren.

1918 endete der 1. Weltkrieg mit der Kapitulation des Deutschen Reiches. Millionen Gefallene und Vermißte waren das Ergebnis dieses fürchterlichen Völkerringens. Im Reich gab es revolutionäre Unruhen, bedingt durch die katastrophale wirtschaftliche Lage. Der Kaiser wurde am 9. November zum Rücktritt gezwungen. Die erste Republik auf deutschem Boden wurde am selben Tag von Philipp Scheidemann und gleichzeitig eine Räterepublik von Karl Liebknecht ausgerufen.

 


Quelle:  Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der St. Hubertus Schützenbruderschaft Unterbach 1870 e.V
 

Am 3. Januar 1919 hörte man zum erstenmal nach Kriegsende etwas von unserer Bruderschaft. Es wurde beschlossen, eine Festlichkeit für die heimkehrenden Krieger zu veranstalten. Am 19. Juli wurde eine außerordentliche Generalversammlung einberufen, in der man beschloß, an Schützenfest nur ein Preiskegeln zu veranstalten. Aber schon am 3. August wurde wieder eine außerordentliche Generalversammlung einberufen, in der mitgeteilt wurde, daß das 1. Schützenfest in Unterbach nach dem Krieg fast ohne Einschränkungen gefeiert werden durfte. Die Besatzungsmacht erlaubte sogar, daß die eingezogenen Waffen wieder abgeholt werden konnten. So wurde vom 10. bis 11. August 1919 nach einer Unterbrechung von 5 Jahren wieder in fast altgewohnter Weise Schützenfest gefeiert. Wegen der Grenzsperre konnten auswärtige Vereine allerdings noch nicht empfangen werden. Das Königsschießen mußte, da sich der Königsvogel als zu groß erwies, bei eintretender Dunkelheit abgebrochen werden. Da ab jetzt die Regelung bestand, den Krönungsball eine Woche später abzuhalten, wurde das Königsschießen am Sonntag den 17. August fortgesetzt. Der erste König nach dem Krieg wurde Joseph Kombüchen. In der Oktober-Versammlung konnte auch erstmals wieder ein Vorstand gewählt werden.

1920 durften auch wieder auswärtige Vereine zum Schützenfest eingeladen werden. Die Statuten wurden überarbeitet und anschließend von der Versammlung angenommen.

Im Jahre 1921 wurde das 50 jährige Jubiläum des Vereins mit einem Jahr Verspätung gefeiert. Die Feierlichkeiten begannen am Samstag dem 13. August mit dem Zapfenstreich. Am 14. August fand der Festzug mit anschließender Ehrung der Jubilare statt. (Wilhelm Küpper und Johann Holtschneider für 25 jährige Mitgliedschaft) Jubiläumskönig wurde am 15. August Andreas Hees. Den Vogel hatte allerdings Johann Schweden für ihn abgeschossen. Zur damaligen Zeit wurde mit verdeckter Liste geschossen, es zählte die ausgeloste Schießnummer, der jeweilige Schütze brauchte nicht anwesend zu sein. Krönungsball war am Sonntag den 21. August. In diesem Jahr beteiligte man sich mit 500 RM an einer Gedenktafel auf der alle Gefallenen und Vermißten des 1. Weltkrieges aus der Gemeinde Unterbach aufgeführt wurden. Diese Gedenktafel wurde an das ehemalige Kaiserdenkmal aus dem Jahre 1913 angebracht. Noch heute gedenkt unsere Bruderschaft zum Schützenfest und Volkstrauertag der gefallenen Schützenkameraden an diesem Denkmal. Im Dezember wurde der Vertrag mit der Witwe Weber über den Kugelfang, Schützenplatz und Stammlokal "Zur Delle" verlängert.

Am 29. Januar 1922 wurde ein Festessen abgehalten. Man hielt also an dem alten Termin "Kaisersgeburtstag" fest, obwohl man schon 3 Jahre in einer Republik lebte. Eine Woche vor Schützenfest verunglückte der 1. Vorsitzende Philipp Holzschneider.

Das Inflationsjahr 1923 hinterließ auch in unseren Kassenbüchern Spuren, so wurde am 15. Juli ein vierteljährlicher Beitrag von 2000 RM festgelegt. In diesem Jahr wurde ein Preiskegeln veranstaltet. Man beachte folgende Preise: 1. Preis 300 000 RM; 2. Preis 200 000 RM und 3. Preis 100 000 RM.

1924 wurde eine neue Währung eingeführt. Der Beitrag betrug monatlich nur noch 25 Pfg. In diesem Jahr verstarb unsere Vereinswirtin, die Witwe von Peter Weber. Am 3. August wurden 16 Schützen vom Verein wegen rückständiger Beiträge ausgeschlossen. Man kann aus dieser großen Zahl von Ausschlüssen durchaus auf die schwierige wirtschaftliche Lage in den zwanziger Jahren schließen. Das Rheinland war immer noch besetzt. Es mußten hohe Reparationszahlungen an die Siegermächte geleistet werden und eine hohe Arbeitslosenzahl kam noch hinzu. So mußte der Verein 1924 lange bei den Besatzungsbehörden um die Durchführung des Schützenfestes kämpfen. Schützenkönig wurde Wilhelm Schweden, der das Amt aber wegen seines hohen Alters an seinen Schwiegersohn Joseph Kombüchen abtrat. In dieser schwierigen Zeit war Tillmann Bürger (Vater unseres langjährigen 2. Vorsitzenden Herbert Bürger) 1. Vorsitzender. Da man sich mit dem Vereinswirt Karl Weber über die Abgabe an den Verein nicht einig wurde, wählte man als Stammlokal den "Zault" von Wilhelm Feldmann. Wegen des Schießstandes an der "Delle" gab es ebenfalls Schwierigkeiten, so daß sogar gerichtliche Schritte eingeleitet werden mußten.

Das Jahr 1925 findet sich im Protokollbuch überhaupt nicht wieder.

Die erste Eintragung, die wieder erhalten ist, gilt der Vorstandwahl im Oktober 1926. So können wir für das Jahr 1925 keinen König nachweisen. Es gab wohl in diesem Jahr auch keine Schießmöglichkeit, denn mit dem Bau des neuen Kugelfanges "Am Zault" wurde erst im Juni 1926 begonnen. Das jährliche Festessen wurde am 7. November abgehalten. Anscheinend war es das 1. Patronatsfest zu Ehren des Schutzpatrons St. Hubertus. Der alte Termin, der den Ursprung in den Feiern aus Anlaß zu Kaisers Geburtstag hatte, fiel von nun an fort.

Am 9. Januar 1927 wurde mit Wilhelm Feldmann ein Vertrag über das Stammlokal geschlossen.

Im Jahre 1928 gab man sich neue Statuten. Die monatlichen Versammlungen, die nach dem Krieg wieder eingeführt wurden, werden wieder abgeschafft.

Waren die Vorstandswahlen bisher jedes Jahr in der Oktober-Versammlung, so wurde ab 1929 in der Januar-Versammlung neu gewählt. Im Jahre 1929 hielt der Verein zu Karneval einen Ball mit Kostümprämierung ab. Zu Schützenfest wurden Hubert Köntgen und Heinrich Steiner für 60jährige Mitgliedschaft geehrt. Es wurden wieder Schützen wegen Beitragsrückstand ausgeschlossen.

Am 12. Januar 1930 wurde innerhalb unseres Vereins eine Jugendabteilung gegründet, die vom 1. Jugendwart Willy Holzschneider geleitet wurde. Die ersten Jungschützen waren: Willy Niepenberg, Josef Niepenberg, Josef Tillmann, Peter Tillmann, Philipp Schöllgen, Heinrich Waldmüller, Franz Schwaab und Johann van den Anker. In der April-Versammlung wurden die Arbeitslosen des Vereins vom Beitrag befreit.  (6 Millionen Arbeitslose zählte man im Deutschen Reich.) In diesem Jahr wurde das Schützenfest zum 60jährigen Bestehen des Vereins in besonderer Weise gefeiert. Die Jubilare Tillmann Bürger, Josef Spielmann und Georg Schöllgen wurden für 25jährige Mitgliedschaft geehrt. Der Festzug war besonders lang, da sich alle Unterbacher Vereine und viele auswärtige Schützenvereine an ihm beteiligten. König wurde Josef Tillmann. 1. Jungschützenkönig (Prinz) wurde Franz Schwaab.

Ab Januar 1931 wurden wieder monatliche Versammlungen abgehalten. (jeden 2. Sonntag im Monat) Es wurde eine neue Schwerkaliberwaffe für 90 RM angeschafft. Die Altersgrenze für Jungschützen wurde von 18 auf 20 Jahre heraufgesetzt. Die Königin konnte sich von diesem Jahr an mit einem eigens angeschafften Diadem schmücken.

1932 wurde wegen der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Beitrag von monatlich 50 Pfg. auf 25 Pfg. gesenkt. Ein Ball, der Ostermontag stattfinden sollte, wurde aus finanziellen Gründen abgesagt. Die schlechte wirtschaftliche Situation spiegelt sich in allen Versammlungen dieses Jahres wieder. So wurde das Schießgeld von 2 RM auf 1 RM gesenkt. Im Juli stimmte man sogar ab, ob dieses Jahr überhaupt ein Schützenfest gefeiert werden sollte. Eine knappe Entscheidung von 10 : 9 ergab, das Schützenfest trotz aller Schwierigkeiten abzuhalten. Wegen Beleidigung des Vorstandes wurde ein Schütze aus dem Verein ausgeschlossen. Zwei Schützen, die ihre Beleidigungen zurücknahmen, konnten im Verein verbleiben. Die Altersgrenze für Jungschützen wurde erneut heraufgesetzt, von 20 auf 21 Jahre.

1933 starb der König Hubert Köntgen in seinem Königsjahr. Am 30. Januar war die 1. Republik auf deutschem Boden beendet. Adolf Hitler hatte die Macht übernommen. Ob der Rücktritt des 2. Vorsitzenden Peter Tillmann und des 1. Schriftführers Fritz Köntges auf der Februar-Versammlung, die ersten Auswirkungen der neuen politischen Situation waren, können wir nur vermuten. Im Protokoll steht "wegen Streitigkeiten zurückgetreten. Im April wurde einstimmig beschlossen, für den verstorbenen König Hubert Köntgen keinen neuen König auszuschießen. Am 8. September 1933 begann die "Gleichschaltung" der Schützenvereine. Das Führerprinzip wurde von nun an angewandt. Die Satzung wurde von staatlicher Stelle dem Verein vorgegeben. Aus dieser Zeit sind keine Versammlungsprotokolle vorhanden.

Die Aufzeichnungen beginnen erst wieder im August 1934. Hier wird Wilhelm Wirths als "Vereinsführer" erwähnt. Es wurde eine Gedenkminute für den verstorbenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg eingelegt. Man beschloß wieder ein Schießgeld auf Schützenfest zu erheben. Außerdem sollte ein "Tanzgeld" eingeführt werden. Zum Erntedank beteiligte sich der Verein an dem von den Nationalsozialisten eingeführten Erntedankzug. Der 2. Schritt der Gleichschaltung wurde vollzogen. Der Verein wurde in den Deutschen Schießsportverband eingegliedert. Jeder Schütze konnte sich von nun an durch eine Mitgliedskarte ausweisen.

Im Januar 1935 wurde der Vereinsführer Wilhelm Wirths und sein Stellvertreter Josef Schulte im Amt bestätigt. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden nicht mehr gewählt, sondern vom sogenannten Führerring (1. und 2. Vorsitzender) in den Führerrat berufen. Zu Fastnacht fand ein Ball statt. Der Erlös sollte an das Winterhilfswerk (WHW) überwiesen werden. Schon im Jahre 1933 hatte es eine Anordnung der Behörde gegeben, daß sich die Schützen an den Sammlungen des WHW zu beteiligen haben. Zu Ostern wurde ein Schießen auf der 50 m Flachbahn am Tönnesberg zu Gunsten des WHW abgehalten. Eine neue Einheitssatzung wurde dem Verein bekanntgegeben.

Im Januar 1936 wurde der "Führerring" neu gewählt. Neuer Vereinsführer wurde Wilhelm Tiegelkamp. Im Februar lehnte der Verein es ab, an einem Flachbahn-Schießlehrgang teilzunehmen, unter dem Hinweis, daß er lieber das traditionelle Sternschießen durchführe. Auf einer Ältestenratsitzung im April wurde der Ehrenvorsitzende Johann Holtschneider aus dem Verein ausgeschlossen. Dem Ausschluß war folgendes vorangegangen: Es gab Gerüchte im Dorf, Johann Holtschneider hätte bei der Reichstagswahl gegen die NSDAP gestimmt. Nach einer Befragung zu diesem Vorfall verneinte Johann Holtschneider, die betreffende Person gewesen zu sein, lehnte es aber ab eine schriftliche eidesstattliche Erklärung abzugeben. Nun wurde das wahre Gesicht dieser Diktatur sichtbar. Ein ehemals verdientes Vorstandsmitglied wurde nur auf Grund von Gerüchten und Denunziationen aus dem Verein ausgeschlossen. Zum Schützenfest wurde Heinrich Steiner zu seinem 93. Geburtstag eine besondere Ehrung zu teil.

Im Jahre 1937 wurde der Kugelfang erneuert. Der Vereinsführer appellierte, geschlossen an dem Fackelzug am Vorabend des 1. Mai teilzunehmen. Ehrengäste beim Schützenfest waren der Bürgermeister aus Erkrath, Hoheitsträger der NSDAP und der Kreisschützenführer.

1938 verstarb Heinrich Steiner im Alter von 95 Jahren. Er war Mitbegründer des St. Hubertus Schützenvereins und somit 68 Jahre Vereinsmitglied. Diesen Rekord hält er bis heute. Auf der Mai-Versammlung erfolgte ein Aufruf, möglichst geschlossen an politischen Aufmärschen teilzunehmen. Zu Schützenfest wird zum erstenmal keine heilige Messe gelesen. Am Bürgervogelschießen konnten sich nur noch "Volksgenossen" beteiligen. Schützenfestdienstag sollte für die Schützenfrauen ein Kaffeeklatsch stattfinden. Man kann ihn als Vorläufer unserer heute noch üblichen Familiennachfeier ansehen.

1939 fand das letzte Schützenfest für die nächsten Jahre statt, da am 1. September der 2. Weltkrieg ausbrach. Der ausgeschossene König "Willi Otto" sollte seine Königswürde bis zum Jahre 1947 behalten. In der Oktober-Versammlung wurde beschlossen, "Liebesgaben" an die eingezogenen Kameraden zu versenden.

Im Januar 1940 fand die letzte Versammlung statt. Wilhelm Tiegelkamp wurde einstimmig als "Vereinsführer" wiedergewählt. Der 2. Weltkrieg endete ähnlich wie der 1. Weltkrieg, aber mit noch schlimmeren Folgen. 4,2 Millionen Gefallene allein in Deutschland, 6 Millionen Menschen in Konzentrationslagern vernichtet, sämtliche Großstädte Deutschlands lagen in Schutt und Asche und 9 Millionen wurden aus den Ostgebieten vertrieben. Deutschland kam unter allierte Besatzung.

In Unterbach marschierten die Amerikaner am 15. April 1945 ein. Ein Hauch von Widerstand flackerte noch auf, bei dem 2 US-Panzer abgeschossen wurden. Am 16. April war der Krieg für Unterbach beendet.


Quelle:  Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der St. Hubertus Schützenbruderschaft Unterbach 1870 e.V
 
Am 28. Juli 1946 erwachte das Schützenleben in Unterbach wieder zu neuem Leben. Der erste Vorsitzende nach dem Krieg wurde August Theisen. Mit der Genehmigung der Besatzungsbehörde konnte sogar in kleinem Rahmen ein Schützenfest gefeiert werden. Ein König durfte allerdings noch nicht ausgeschossen werden. Man hätte einen König durch Wahl ermitteln können; dieses wurde aber abgelehnt. In diesem Jahr trat man der "Erzbruderschaft" (Vorläufer des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften mit Sitz in Köln) bei und führte von nun an den Namen St. Hubertus Schützenbruderschaft Unterbach.

Die Vorstandswahlen sollten ab Januar 1947 nur noch alle 3 Jahre stattfinden. Man erhoffte sich dadurch ein effektiveres Zusammenarbeiten mit der Erzbruderschaft. Zu Fastnacht fand wieder ein Ball bei Moritz Werner (heute Unterbacher Treff) statt. Die Angehörigen der noch in Kriegsgefangenschaft verbliebenen Kameraden bekamen vom Verein als Unterstützung einen Betrag vom 50 RM. In diesem Jahr konnte zum erstenmal nach dem Krieg wieder ein König ausgeschossen werden, allerdings nur mit einer Armbrust, da die Besatzungsbehörden den Gebrauch von Gewehren noch untersagten - König wurde Wilhelm Tiegelkamp. Die Zugehörigkeit zu den Jungschützen wurde in diesem Jahr neu geregelt. Alle die über 18 Jahre alt waren, wurden Altschützen und die unter 18 jährigen wurden unter der Leitung von Heinrich Kluth in einer Jungschützenabteilung zusammengeschlossen.

Im Jahre 1948 wurden die alten Statuten überarbeitet, was nach der NS-Diktatur bestimmt dringend erforderlich war. Zu Titularfest folgte man einer Anregung der Erzbruderschaft, indem nach dem Kirchgang am Kriegerdenkmal unter Beteiligung von 2 Gesangsvereinen, der Schule und den Kriegsinvaliden, eine Gedenkfeier für die Gefallenen abgehalten wurde.

Bei der Prozession 1949 fielen die Jungschützen dermaßen negativ auf, daß der Vorstand sich genötigt sah, ihr "rüpelhaftes Benehmen" zu rügen und sogar mit der Auflösung der Jungschützenabteilung drohte. Zu Schützenfest fand erstmals ein Vorbeimarsch der Könige und des Vorstands an der Kirche statt, der großen Anklang bei der Bevölkerung fand. Für das Ausschießen des Königs wurden Luftgewehre zugelassen. Besondere Ehrung wurde der Schaustellerfamilie Rauwald zuteil, die seit 25 Jahren ihre Fahrgeschäfte auf der Unterbacher Kirmes aufbaute. Ebenso erhielt die Familie Feldmann ein Ehrendiplom für 25 Jahre Vereinslokal der St. Hubertus Bruderschaft. Der lange zurückliegende Hader mit der Familie Weber (Zur Delle) wegen des Schießstandes und Vereinslokales wurde beendet, und es standen nun zwei Säle für die Schützenbälle zur Verfügung. Zum Titularfest wurde abends ein Orchesterkonzert zu Gunsten des neuen Kindergartens gegeben.

1950 konnte die Bruderschaft das 80jährige Bestehen feiern. Schützenfestsamstag wurde ein Festkommers Am Zault bei Familie Feldmann abgehalten. Die Jubilare des Vereins wurden besonders ausgezeichnet. Nach dem Umzug am Sonntag wurden die Schützen und die Gäste vom Bundespräses Dr. Peter Louis begrüßt. Am Umzug hatten sich 5 Tambourcorps und 2 Musikkapellen beteiligt. 29 verschiedene Fahnen wurden gezählt. König wurde in diesem Jahr Richard Abele. Ab diesem Jubiläumsfest hatte die Bruderschaft in Albrecht Weichert erstmals einen Protektor.

Im Jahre 1951 wurde der alte Gedanke einer Sterbekasse wieder aufgenommen. Jeder Schütze hatte im Jahr 2 DM in diese Kasse zu zahlen. Der Königsorden, den der jeweilige König an die Kette hängte, sollte von nun an nach seinem Königsjahr an ihn zurückgegeben werden. Leider wurde diese Praxis wohl auch ausgeführt, da an unserer Königskette große Lücken zu verzeichnen sind. Wahrscheinlich befinden sich seit dieser Zeit noch einige Königsschilder in Privatbesitz. In diesem Jahr wurde zu Schützenfest eine neue Fahne für die Jungschützen geweiht. Das Hubertusfest erbrachte 150 DM für den neuen Kindergarten.

1952 wurde das Sterbegeld für Schützenfrauen auf 50 DM festgelegt. Bei Eintreten eines Sterbefalles innerhalb der Bruderschaft sollte jeder Schütze, zusätzlich zum jährlichen Sterbegeld, 1 DM bezahlen. Für die Schützenbälle wurden folgende Eintrittspreise festgelegt: Samstags, Sonntags und Montags 1 DM und Krönungsball 1,50 DM. Auf dem Schützenfest gab der Bezirksbundesmeister Eduard Steinwasser bekannt, daß die St. Hubertus Schützenbruderschaft Unterbach von nun an dem Bezirksverband Düsseldorf-Süd angehöre. Schützenfestmontag war wieder der Bundespräses Dr. Louis zu Gast. Zum ersten Mal nach dem Krieg durfte wieder mit scharfer Munition geschossen werden. In diesem Jahr kündigte der Verein die Sterbefallversicherung. Der Beitrag wurde von monatlich 0,50 DM auf 1,00 DM erhöht. Senioren über 65 Jahre oder Mitglieder, die länger als 30 Jahre im Verein sind, sollten von nun an beitragsfrei sein.

Seit dem 18. März 1954 ist unsere Schützenbruderschaft unter der Nr. 174 ins Vereinsregister beim Amtsgericht Gerresheim eingetragen. Die Satzung wurde geändert, um die Gemeinnützigkeit zu erlangen.

Seit dem 09.01.1955 ist die St. Hubertus Bruderschaft Mitglied im Bürger- und Heimatverein Unterbach. Zum Schützenfest wurden Tillmann Bürger, Josef Spielmann und Georg Schöllgen für 50jährige Mitgliedschaft geehrt. Tillmann Bürger schoß als Krönung seines Jubiläums den Vogel ab.

1956 wurde der Saal bei Feldmann verpachtet. Für das Schützenfest stellte Fritz Feldmann ein 800 Personen Zelt. Erstmals wurde der Krönungsball Montags abgehalten. Um 21 Uhr holte man den neuen König Gustav Weber von der Wohnung ab und unter bengalischer Beleuchtung wurde er ins Zelt eingeführt. Gustav Weber errang auch die Bezirkskönigswürde und nahm am Bundeskönigsschießen in Mönchengladbach teil.

Schützenfest 1957 wurden zu ihrem goldenen Vereinsjubiläum Peter Tillmann und Johann Spielmann geehrt. Das Königsschießen wurde erstmals nach dem Krieg mit einer neu angeschafften Schwerkaliberbüchse durchgeführt. Erfolgreicher Schütze war Heinz Rumsmüller.

Die Bruderschaft nahm im Jahre 1958 zum ersten Mal am Karnevalsumzug teil und wurde im Karnevalsausschuß durch Johann Büsgen vertreten. Am Karnevalssamstag sollte der Schützenverein, wie seit Jahren schon, einen Ball ausrichten. In diesem Jahr wurde der kleine Kugelfang bei Feldmann gründlich überholt. Goldjubilar war in diesem Jahr Paul Papendell unser langjähriger 1. Schießmeister. Von 1926 bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges hatte er dieses Amt inne.

Im Jahre 1959 wurden Tillmann Bürger, Eberhard Schlangen, Johann Stammen, Johann Spielmann, Paul Papendell und Peter Tillmann zu Ehrenmitgliedern ernannt. In diesem Jahr wurde das 90 jährige Bestehen des Vereins gefeiert. Herr Joachim Zech von Haus Unterbach übernahm die Schirmherrschaft des Jubiläumsschützenfestes vom 8. bis 10. August 1959. Heinrich von Hymmen übergab aus diesem Anlaß dem Verein eine neue Fahne mit der Aufschrift: "Aus alter Wurzel neue Kraft". Der amtierende König Johann Büsgen erhielt aus der Hand des Schirmherrn die neu aufgearbeitete Königskette. Die neue Fahne wurde am Sonntag den 9. August in einem festlichen Hochamt geweiht. Um 11 Uhr des selben Tages wurde ein Festkommers im Zelt unter Mitwirkung aller Unterbacher Vereine und der Schützen von Erkrath abgehalten.Die Festrede hielt der Vizepräsident der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften Dr. Esser. Der Festzug mußte wegen eines Gewitters um 1 Stunde verschoben werden. Jubiläumskönig wurde am Montag das neue Mitglied Bernhard Alfers.

In der Generalversammlung im Januar 1961 gedachte man des am 25.11.1960 verstorbenen Ehrenmitgliedes Heinrich von Hymmen. In diesem Jahr mußte sich nach einem neuen Kirmesplatz umgesehen werden, da der alte Platz bebaut wurde. Die Feuerwehr hatte durch den Neubau der katholischen Schule ihr altes Gerätehaus verloren. Die neue Feuerwache entstand nun auf dem alten Kirmesplatz.

Ab 1962 fand die Kirmes auf einer Wiese gegenüber der alten Bäckerei Weber an der Vennstraße statt. Diese Wiese wurde von der Familie Zech von Hymmen zur Verfügung gestellt. Beim Titularfest wurde Herrn Joachim Zech eine in Schützenkreisen sehr hohe Auszeichnung verliehen; er erhielt das Schulterband mit Stern zum Seb. Ehrenkreuz.

1963 wurde der Kugelfang für Schwerkaliber abgerissen und der Hochstand für Kleinkaliber umgebaut und neu gestaltet.

Im Oktober 1965 stellte der Schirmherr Joachim Zech den Antrag, das Schützenfest in Unterbach zu verlegen, da im August meist Schulferien seien. Dem Antrag wurde nicht stattgegeben, so daß wir auch heute noch unser Schützenfest um Mariä Himmelfahrt feiern.

Im Oktober 1966 wurde der monatliche Mitgliedsbeitrag von 1 DM auf 2 DM erhöht. Jeder König sollte von nun an eine Plakette für die Königskette stellen.

In der Generalversammlung im Januar 1967 wurde Berni Weber zum 1. Vorsitzenden gewählt, da der bisherige Vorsitzende Heinrich Kluth aus Krankheitsgründen sein Amt niederlegte. Am 28. Mai 1967 verstarb unser Ehrenvorsitzender Heinrich Kluth. In diesem Jahr fand erstmals die Parade zu Schützenfest nicht mehr vor dem Vereinshaus statt, sondern am Feuerwehrhaus an der Vennstraße.

1968 gründete sich unter der Leitung von Ernst Wickfeld eine Schülerschützengruppe. Die ersten Schülerschützen waren: Günther Wickfeld, Klaus Wickfeld, Hans Willi Weber, Hans-Jörg Faßbender und Günther Rothe. Erster Schülerprinz wurde Klaus Wickfeld.

1969 beim Bezirkskönigsschießen ging unser König Berni Weber als Sieger hervor und sicherte sich somit die Teilnahme am Bundeskönigsschießen, das in Bonn stattfand. In der September-Versammlung dieses Jahres wurden die Schützenbrüder Heinz Neidt, Ernst Wickfeld und Heinz Erlenkämper in den Festausschuß für das im kommenden Jahr stattfindende 100-jährige Vereinsjubiläum berufen.

Vom 7. bis 10. August 1970 fand das große Jubiläumsschützenfest statt. Eröffnet wurde das Fest freitags mit der Ehrung der noch lebenden Könige. Samstags fand nach Abholung des Königs ein Platzkonzert auf dem Breidenplatz statt. Nach der heiligen Messe am Sonntag wurde ein Festakt im Zelt abgehalten. Der Bundesbrudermeister Dr. Esser aus Düsseldorf überbrachte die Glückwünsche des Verbandes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Anschließend gratulierten alle Unterbacher Vereine und der MGV Liederkranz trug einige passende Lieder vor. Um 15.00 Uhr zog der Festzug unter Beteiligung von 15 auswärtigen Vereinen durch Unterbach. Besonders beeindruckend war der Musikzug der Bundeswehr aus Hubbelrath. Unsere Jungschützen marschierten in historischen Landsknechtuniformen mit. Amtierendes Königspaar im Jubiläumsjahr war Berni Weber mit seiner Frau Liesel. Erstmals erschien in diesem Jahr eine Festschrift mit kurzer Chronik des Vereins, die unser heutiger Ehrenbrudermeister Joseph Eyerund verfaßte.

 


Quelle:  Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der St. Hubertus Schützenbruderschaft Unterbach 1870 e.V
 
Im April 1971 wurden neue Statuten für die Bruderschaft beschlossen.

1974 wurde ein Inventarverzeichnis über unser Vereinsvermögen erstellt. In diesem Jahr zog zum letzten Mal für die nächsten Jahre ein Schützenzug durch Unterbach. Bei schlechter Beteiligung der Vereine und Zuschauer zog dieser Zug bei regnerischem Wetter einen verkürzten Weg durch die Neustraße (heute Am Strasserfeld). Die Parade fand am Feuerwehrhaus auf der Vennstraße statt. Das Schützenwesen hatte im allgemeinen in den siebziger Jahren einen schweren Stand. Die Mitgliederzahl unserer Bruderschaft war stark gesunken.

Zum 1. Januar 1975 wurde Unterbach aus der Stadt Erkrath ausgegliedert und der Stadt Düsseldorf zugeteilt. Im Jahre 1975 kam noch hinzu, daß unsere Bruderschaft zum wiederholten Male mit ihrer Kirmes umziehen mußte, und zwar zog man von der Vennstraße (gegenüber der alten Bäckerei Weber) zum noch heute bestehenden Platz Am Zault, der uns ebenfalls von der Familie Zech von Hymmen zur Verfügung gestellt wurde.

Es sollte bis zum Jahre 1978 dauern, bis sich Unterbach wieder an einem Schützenzug erfreuen konnte. Der erste Zug nach 3jähriger Unterbrechung zog zu Ehren des Königs Willy Schmitz, der im Vorjahr zu seinem 50jährigen Vereinsjubiläum die Königswürde errungen hatte.

Im Jahre 1980 besuchte uns, anläßlich des Schützenfestes, zum ersten Mal auf Initiative unseres heutigen Ehrenoberst und damaligen Königs Herbert Bürger, die Jugendmusikkapelle Wargolshausen aus der Rhön (alte Heimat von Minni Bürger). Diese Kapelle bereicherte unsere Schützenfeste für die nächsten 3 Jahre.

1981 fuhr eine große Abordnung unserer Bruderschaft zum Gegenbesuch nach Wargolshausen zum Maibaumsetzen.

Am 18. Juni 1983 begleitete die Bruderschaft den Weihbischof Hubert Luthe (heute Bischof von Essen) beim Einzug in die Mariä Himmelfahrtskirche anläßlich der Weihe und Salbung des Gotteshauses. In diesem Jahr gedachte man auch des 100jährigen Jubiläums der alten Mariä Himmelfahrtskirche. Aus diesem Anlaß gab die St. Hubertus Schützenbruderschaft eine Neuauflage der Ortschronik Unterbach von Franz-Josef Brors heraus. Der Erlös des Verkaufs kam der neuen Kirche in Unterfeldhaus zu gute. Unser Protektor Heinz-Günther Steiner wurde Schützenkaiser, nachdem er zum zweiten Mal hintereinander den Vogel abgeschossen hatte. Direkt nach dem Schützenfest 1983 wurde unser Schießstand am Zault abgerissen, da auf dem Grundstück der Familie Feldmann das "Landhotel Am Zault" gebaut wurde. Noch im selben Jahr wurde ein Bauantrag für einen neuen Stern- und Vogelschießstand an die Stadt Düsseldorf gestellt.

Für die Schützenfeste 1984 und 1985 wurde uns vom Oberbilker Schützenverein ein transportabler Schießstand leihweise zur Verfügung gestellt.

Im Jahre 1985, nachdem wir schon öfter wetterbedingte Schwierigkeiten mit unserer Schützenwiese am Zault hatten, mußten wir nach tagelangen starken Regenfällen kurzfristig mit der Kirmes nach Unterfeldhaus ausweichen. Besonderer Dank gilt hier der Stadt Erkrath für das schnelle und unbürokratische Entgegenkommen in dieser Notlage. Unser König Jürgen Huhn wurde in diesem Jahr Bezirkkönig. Wegen seiner Teilnahme am Bundeskönigsschießen besuchten wir das Bundesschützenfest in Bergisch-Gladbach.

1986 baute unsere Bruderschaft einen provisorischen Schießstand, weil sich das Genehmigungsverfahren für den Neubau immer noch hinzog.

Im Mai 1987 besuchten wir mit unserem Königspaar Hartmut und Anke Albert den Bundesköniginnentag in Wenden im Sauerland.

1988 beim Titularfest erhielt unser 1. Geschäftsführer Ludwig Diering für besondere Verdienste um unsere Bruderschaft das Schulterband mit Stern zum Seb. Ehrenkreuz. Da wir auch im Jahre 1987 große wetterbedingte Schwierigkeiten mit unserem Kirmesplatz hatten, wurde eine Aufschüttung der Wiese mit in die Neubauplanung einbezogen. In Folge der Planungen sollten den Mitgliedern der St. Hubertus Bruderschaft große Opfer abverlangt werden.

1989 wurde der Beitrag um 100 % angehoben, von 5 auf 10 DM monatlich; ebenso wurde eine Umlage beschlossen, die aber auch in Arbeitsstunden erbracht werden konnte. Jeder Schützenbruder wurde verpflichtet, 20 Bausteine im Wert von je 5 DM zu verkaufen. Diese Bausteine galten gleichzeitig als Los. Als Hauptpreis wurde zu Schützenfest ein PKW ausgelost. Die Bruderschaft legte die Unterbacher Chronik noch zweimal wieder auf; der Erlös kam ebenfalls dem Schießstandbau zu gute. Außerdem wurden Ansichtskarten von Haus Unterbach und 3 verschiedene Zinnteller mit Unterbacher Motiven verkauft. Hunderte von Arbeitsstunden mußten geleistet werden, wobei wir besonders der Familie Bürger dankbar sind. Herbert Bürger übernahm sozusagen die Bauleitung, und Alfred Bürger, der in diesem Jahr König war, war in besonderer Weise engagiert. Am 29. Juli war es dann endlich soweit, nach 6 jähriger Planungs- und Bauphase konnte der neue Schießstand und Schützenplatz durch den nigerianischen Priester Dr. Livinius Egbuschulem, der unseren Pfarrer Karl Klemens Kunst vertrat, eingeweiht und eingesegnet werden. Ohne die große finanzielle Hilfe der ortsansässigen Firmen, Geschäfte und Vereine, hätten wir diese enorme Leistung allerdings nicht erbringen können. Erster König auf dem neuen Stand wurde unser ältestes Mitglied, mit 88 Jahren, Willy Schmitz. In diesem gesegneten Alter war er wahrscheinlich der älteste König im ganzen Umkreis. Seitdem unser Platz aufgeschüttet wurde, hatte allerdings Petrus ein Einsehen und verschonte uns zu Schützenfest mit Dauer- und Platzregen. Dafür hatten wir Schützenfest 1990 Rekordtemperaturen beim Umzug und ein Jahr darauf sollte es noch schlimmer kommen. 39 Grad im Schatten zeigte das Thermometer, als sich der Schützenzug in Bewegung setzte.

1990 nahm unsere Bruderschaft das im Jahre 1989 auf Initiative von unserem Schützenbruder Georg Vomberg gegründete 1. Reiterkorps Unterbach auf.

1991 hatten wir weiteren Zuwachs. Durch die Aufnahme ehemaliger Spielleute aus Hochdahl entstand das "Tambourcorps St. Hubertus Unterbach". Am 27. November verstarb unser Ehrenoberst Willy Schmitz im Alter von 90 Jahren. Sein Tod bedeutete einen großen Verlust für unsere Bruderschaft, stand er dem Verein doch sehr aktiv und wohlwollend gegenüber und hatte in seiner besonnenen Art stets ein offenes Ohr und Herz für jung und alt.

Im Jahre 1994 beendete die Bruderschaft abermals ein großes Bauvorhaben. An den Schießstand wurde eine Toilettenanlage angebaut, auf die wir mit Recht stolz sein können. Besonders engagiert war an diesem Bauvorhaben unser Schützenbruder Berni Dresen. Noch rechtzeitig zum Schützenfest konnte die Anlage ihrer Bestimmung übergeben werden. Am 16. Juli im Rahmen des Pokalschießens für die Unterbacher Vereine wurde sie eingeweiht. Auch hierzu ein Wort des Dankes an alle Förderer und Gönner, ohne deren Unterstützung solche Vorhaben nicht durchgeführt werden könnten. In der nächsten Zeit wird wohl keine größere Baumaßnahme auf uns zukommen, jetzt heißt es, das Geschaffene zu erhalten und zu pflegen, so daß wir noch lange Freude daran haben.

Aktualisierung: 20.01.2017 - 17:58 / Redakteur: Webmaster
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